Gesellschaft / Kultur SenegalGesellschaftsstruktur und LebensweiseCa. 80 % der Bevölkerung lebt von Landwirtschaft, Fischfang und Bergbau. Der Großteil der Bevölkerung lebt ohne regelmäßiges Einkommen. Bauern können kaum über ihren Bedarf hinaus produzieren. Grund dafür ist, dass die Felder durch viele Erbteilungen zu klein geworden sind. Die Böden bringen nur geringe Erträge. Aufgrund des Klimawandels hat sich die Regenmenge in den letzten 25 Jahren halbiert. Die Verwüstung schreitet fort. Die Armut nimmt zu, dennoch muss niemand verhungern, denn die Familie funktioniert als intaktes Sozialsystem. Es gibt keine staatliche Sozialvorsorge, d.h. Kinder sind die Pensionsversicherung. Je geringer das Einkommen, desto mehr Kinder sind notwendig, um die Eltern zu erhalten. Die Mehrheit der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. 45% der Bevölkerung lebt in Städten. In großen Ballungsräumen gibt es viele Behinderte und Unterstandslose, die nachts auf der Straße schlafen. Aber auch sie können überleben, denn die Moslems im Senegal nehmen das Gebot des Almosen-Spendens ernst: so mancher bemerkt abends, dass er heute noch nichts gespendet hat, und könnte nicht ruhig schlafen, ohne noch auf die Straße zu gehen, um das nachzuholen. Die Gesellschaftsstruktur ist patriarchalisch mit einer aktiven Emanzipationsbewegung. Mädchen werden seit einigen Jahren kaum mehr beschnitten. Schulbildung60% der Senegalesen sind AnalphabethInnen. In den Dörfern können bis zu 95% der Frauen weder lesen noch schreiben. 35% der Kinder können nicht zur Schule gehen. Der Schulbesuch ist weder Pflicht noch für alle erschwinglich, oft nicht einmal die Volksschule. Die Höhe des jährlichen Schulgeldes für die Haupt- oder Mittelschule entspricht zwei Monatsgehältern eines Kellners in einem Tourismushotel. Das Schulgeld für sechs Kinder würde also das gesamte Jahresgehalt verschlingen. Von denen, die Schule besuchen, besuchen 60% die Volksschule 15% die Hauptschule / AHS und 3% eine Universität. Medizinische VersorgungAuf 80.000 Einwohner kommt ein Arzt. Die Ausbildung der Ärzte und die Behandlung ist sehr gut, aber es fehlt an Medikamenten. Ein Antibiotikum kostet bis zu 60% des Monatseinkommens eines durchschnittlich Verdienenden und ist für die meisten unerschwinglich. Dieses muss man sich selbst in der Apotheke besorgen ‑ zu europäischen Preisen. Die Malaria ist vermutlich die häufigste Todesursache. Neben den Ärzten gibt es viele traditionelle Heiler, Feticheure, Marabous, etc. ReligionCa. 92% der Senegalesen sind Moslems (1930 ca. 50%), 6% Christen, vorwiegend Katholiken. Das Zusammenleben der Christen und Moslems - auch in Ehen und Wohngemeinschaften - erfolgt in gegenseitiger Achtung und Toleranz. Moslems und Christen feiern teilweise gemeinsam religiöse Feste. Beide Religionen verbindet ein starkes Band: die sehr lebendige animistische Tradition. In den Schulen gibt es keinen Religionsunterricht. |